Pilotversuch: Cancelled

Bei einem Lernblog geht es ja darum, Lernen transparent und auch für andere zugänglich zu machen. Und da wir nicht nur bei Erfolg-Stories sondern insbesondere auch vom Scheitern lernen, möchte ich auch gerne darüber bloggen und offenlegen, dass und warum unser bereits in früheren Blog-Einträgen angekündigte «kompetenz-orientierte Pilotversuch» nicht zum Fliegen kam. Schliesslich war ja genau dieser Pilotversuch der eigentliche Grund, warum ich meinen Lernblog startete.

Zu Jahresbeginn hatten mein Kollege Sascha und ich in Zusammenarbeit mit Marco bei der Schulleitung ein Konzept eingereicht (siehe dazu meinen Blog-Beitrag vom März resp. von unten). Die Rückmeldung haben wir so interpretiert, dass wir unser Konzept detaillierter ausarbeiten und dann nach den Frühlingsferien mit der Schulleitung besprechen sollen/können und dass unsere «pensen-technischen» Anliegen berücksichtig werden.

Das Gespräch mit der Schulleitung von Mitte Mai hat dann aber ergeben, dass wir anscheinend von ganz unterschiedlichen Anforderungen und Rahmenbedingungen ausgegangen sind. Das führte dazu, dass Sascha und ich unseren Pilotversuch «cancellten». Ohne Rückenwind lässt sich so ein Projekt, das eine ganz neue Lernkultur kreieren will, nicht stemmen. Schade: Die Motivation und die Vorfreude waren gross und die Ideen zur Umsetzung am Sprudeln und bereits ziemlich konkret.

Diese Entwicklung hat mir auch in Sachen Bloggen den Wind aus den Segeln genommen – und mir scheint, es braucht diesen klärenden Blog-Eintrag, der nochmals auf den Pilotversuch Bezug nimmt, damit meine Blog-Motivation wieder auffrischen resp. ich weiter bloggen kann.

Fragt sich, was ich aus dieser Erfahrung gelernt habe (denn um das geht es ja bei einem Lernblog)…? – Wenn ich ehrlich bin, weiss ich das noch nicht genau. Ich würde ein nächstes Mal sicher viel früher das Gespräch suchen und auch mündlich auf die Rahmenbedingungen, die Möglichkeiten und die bereits getätigten informellen Abklärungen verweisen.

Ich möchte an dieser Stelle und weil ich auch immer mal wieder darauf angesprochen werde, dennoch gerne offenlegen, was wir eigentlich geplant hatten. Und hierfür kann ich auf einen Blog-Beitrag zugreifen, den ich bereits im März geschrieben, auf Anraten der Schulleitung aber wieder von meinem Blog genommen hatte, weil das ganze Thema der Blogs damals noch nicht offiziell kommuniziert war.

Hier ist er, mein Blog-Beitrag von Anfang März:

Unser kompetenz-orientierter Pilot in Sachen Lernblog


Was wäre, wenn die Ownership über den Lernprozess bei den Lernenden liegen würde? Wenn wir wieder mehr fürs Leben statt für Prüfungen lernten? Wenn wir Lehrer zu Coaches würden und Lernen zu etwas, das nicht nur in Fächern und Schulzimmern sondern immer und überall stattfindet?

Je länger ich mich mit solchen Fragen auseinandersetze, umso mehr staune ich darüber, dass sie sich uns überhaupt stellen – denn eigentlich ist uns allen (okay; den meisten) klar, dass weder die Schule noch die LehrerInnen die Verantwortung für den Lernprozess und -erfolg der SchülerInnen übernehmen können. Und dass in unserer vernetzten und digitalen Welt, in der kreatives und vernetztes Denken sowie Selbst-, Sozial- und Methodenkompetenzen an Wichtigkeit gewinnen, die schubladisierte Wissensvermittlung in Fächern und Disziplinen bereits etwas verstaubt wirkt…

Kompetent in Sachen Kompetenzorientierung

Anyway – wir haben uns diese Fragen gestellt (oder besser: wir haben uns dieseN Fragen gestellt) und einen Pilotversuch entwickelt, um eine solch neue Lernkultur im Rahmen des BM2-Unterrichts an der WMB Bern zu testen. Wir – das sind ist zum einen Sascha Krähenbühl, der sich während seinem Bildungsurlaub intensiv mit dem Thema Kompetenzorientierter Geschichtsunterricht auseinandergesetzt hat, und zum anderen Marco Jakob vom Projekt-Team BYOD.

Unser Arbeitstitel lautet: Pilotversuch “Kompetenz-Orientierung im TU- und GP-Unterricht”. Da stellt sich natürlich die Frage, was wir unter kompetent und unter Kompetenzorientierung verstehen.

  • Kompetent ist in unseren Augen, wer Aufgaben in nicht standardisierten Situationen selbstorganisiert lösen kann.
  • Den Begriff Kompetenz-Orientierung können wir leider nicht so knackig zusammenfassen, aaaber Sascha hat ihn hier ausführlich umschrieben.

Der Pilotversuch im Überblick

Sascha und ich werden ab Sommer gemeinsam eine BM2-Klasse (Vollzeit) während total sechs Lektionen pro Woche in Geschichte/Politik und Technik und Umwelt begleiten (und explizit nicht «unter-richten»!). Unser Pilotversuch steht erst in einem groben Entwurf, den ich hier aber gerne mal vorstellen möchte, und dessen Weiterentwicklung und Umsetzung ich auch via Blog-Beiträgen festhalten und reflektieren werde.

Zu Jahresbeginn haben wir bei der Schulleitung ein Grobkonzept eingereicht und die Jahresziele für den GP/TU-Unterricht wie folgt beschrieben:

  • Die Lernenden setzen sich mit den Kompetenzanforderungen des Lehrplans auseinander und bestimmen selbst, in welcher Form (Methode und Sozialform) sie sich welche Fach-, Methoden- und Sozialkompetenzen aneignen möchten.
  • Die Lernenden dokumentieren und reflektieren Ihren Lernprozess mittels der Erstellung einer eigenen Website resp. eines öffentlich zugänglichen Lernblogs.
  • Die Bewertungen einzelner Leistungen durch die Lehrpersonen entfällt. Im Zeugnis wird das Stichwort «besucht» (oder «erfüllt») sowie die URL des Lernblogs vermerkt.

Die SchülerInnen betreiben also einen Lernblog und es wird keine Noten geben! Wir glauben, dass das notwendig ist, damit die Ownership wirklich bei den SchülerInnen bleiben kann und wir in die Rollen von Coaches schlüpfen können.

Wie sieht die grobe Umsetzung aus? (Oder: Noch ist vieles unklar ;o)

  • Zu Beginn des Herbstsemesters werden wir die SchülerInnen an das neue Lernsetting heranführen und gemeinsam mit ihnen beginnen, die neue Lernkultur aufzubauen. Wie wir das genau machen, wissen wir noch nicht im Detail – fest steht einzig, dass es für den Pilotversuch essentiell ist, dass es uns dieses Vorhaben gelingt.
  • Ob und wie viele inhaltliche und methodische Eckpfeiler wir den SchülerInnen vorgeben (oder: gemeinsam mit ihnen definieren?), wissen wir auch noch nicht genau.
  • Auf jeden Fall planen wir regelmässige Standortbestimmungen, bspw. ein Blitzlicht oder Stand-Up-Meetings vor versammelter Klasse zu Beginn und zum Schluss jeder 6-Lektionen-Einheit.

Was ist die Rolle von uns Lehrpersonen?

Wir werden nicht mehr «lehren» und «unterrichten», sondern begleiten, unterstützen und beraten – also «coachen» - und zwar auf allen Ebenen, auf denen Bedarf entsteht: methodisch, inhaltlich, organisatorisch, menschlich etc. - Zu Beginn werden wir die Lernenden vermutlich eher «eng» begleiten, in der Absicht und Hoffnung, dass wir die Zügel zunehmend lockerer lassen können.

Ausserdem stellen wir uns vor, dass auch wir regelmässig Angebote machen oder Inputs geben werden («auch», weil auch die SchülerInnen in diese Rolle schlüpfen und Angebote machen können). Solche Inputs können von den SchülerInnen nachgefragt oder aber von uns aus angeboten werden.

Eine kleine «Kontrolle-Funktion» resp. «Verantwortung» werden wir allerdings auch übernehmen: Wir stellen sicher, dass…

  • die Inhalte auf den Lernblogs von den Lernenden selbst produziert wurden,
  • die vorhandenen Lektionen zu 80% besucht werden (inkl., dass die Unterrichtszeit nicht für fachfremde Arbeiten genutzt wird).

Und was sind die grössten Knacknüsse und die knackigsten Fragen im Moment?

  • Am knackigsten ist wohl die Frage nach den Rahmenbedingungen und Strukturen, die wir brauchen oder vorgeben (müssen?), damit diese Lernkultur entstehen resp. gelingen kann. Das muss alles stimmig und aus einem Guss sein und umfasst gleichzeitig viele unterschiedliche Aspekte. Braucht es bspw. räumlich Anpassungen - ein entsprechenden «Klassenzimmer»?
  • Wie gestalten wir den Start?
  • Wieviel Rahmen/Struktur ist zu Beginn nötig - und wo wollen wir bis Ende Schuljahr hin?
  • Wie können wir das Crowd Wissen der SchülerInnen sichtbar machen und nutzen – so dass der Austausch, die Feebdack-Schlaufen und die Rückmeldungen nicht nur zwischen uns Coaches und en SchülerInnen laufen, sondern in der ganzen Gruppe/als Gemeinschaft.
  • Gibt es Basisthemen, an denen wir vorbei kommen wollen und bei denen die Klasse das “wie?” bestimmen könnte?

Für sachdienliche Hinweise meldet Euch bitte an info@simonazaeh.ch =)